https://spd-mitglied-0815.de/TXT/rede.txt Autor: Matthias Lohrer E-Mail: matthias.lohrer@posteo.net Letzte Änderung: 11.07.2026, 10:45 Uhr ------- Liebe Bürgerinnen und Bürger, wir alle lieben unsere Südstadt. Viele von uns wohnen schon Jahre hier, manche seit Jahrzehnten. Meine eigene Frau hat beispielsweise 39 Jahre ihres Lebens hier zugebracht, ihr Vater hat hier gewohnt und auch die Großeltern. Warum erzähle ich das? Weil damit klar wird: Die Südstadt ist seit über hundert Jahren Heimat für viele Karlsruher Familien. Meistens waren es nicht die wohlhabendsten, die hier ihre Heimat gefunden haben. Wenn ich aber heute durch die Südstadt laufe, dann bekomme ich Zweifel, ob auch meine eigenen Kinder jemals in der Südstadt eine Heimat würden finden können. Einmal habe ich aus einer Wohnung in der Marienstraße aus dem Fenster geguckt auf das gegenüberliegende Haus und habe nicht schlecht gestaunt über das, was ich dort sah. Da guckte doch tatsächlich durch das geschlossene Fenster eine Taube heraus. Das heißt: Dort wohnte niemand mehr und die Taube hatte durch irgendein Loch den Zugang zum Haus gefunden. Was ist eigentlich mit der Südstadt los? Immer mehr Häuser in der Südstadt stehen leer. Aus diesen Häusern sind die Familien ausgezogen. Stattdessen sind Tauben, Ratten und Ungeziefer eingezogen. Immobilienspekulanten lassen die Häuser leerstehen. Sie spekulieren darauf, dass sie durch den Verkauf von leerstehenden Häusern höhere Profite erzielen können als durch die Vermietung. Das Nachsehen haben die Menschen in Karlsruhe. Sie finden immer weniger bezahlbaren Wohnraum. Ein besonders krasses Beispiel dafür sind die Häuser Werderstraße 76 und 78. Diese beiden Häuser stehen seit mehreren Jahren leer. Die Stadt musste zwischenzeitlich den Eingang versperren und die Fenster mit Folien abdecken. Die direkten Nachbarn kämpfen gegen das Ungeziefer, das sich in diesen Häusern eingenistet hat und das auch die Umgebung verseucht. "Eigentum verpflichtet." Eigentum soll dem Wohle der Allgemeinheit dienen. So fordert es das Grundgesetz. Der Eigentümer dieser Immobilien kommt seiner Verantwortung ganz offensichtlich nicht nach. Was kann man dagegen unternehmen? Was macht eigentlich die Stadt Karlsruhe gegen diese Zustände? Überlässt die Stadtverwaltung die Südstadt einfach ihrem Schicksal? Die Stadt hat beispielsweise versucht, mit Hilfe der Milieuschutzsatzung die Südstadt als Wohnviertel mit günstigen Mieten zu erhalten. Diese Milieuschutzsatzung ist aber zum Ende des vorigen Jahres ausgelaufen. Es ist sehr umstritten, ob diese Maßnahme wirklich geholfen hat. Welche anderen Möglichkeiten hätte die Stadt? Sie könnte beispielsweise eine sogenannte Zweckentfremdungsverbotssatzung erlassen. Denn dann könnte die Stadt Maßnahmen ergreifen, wenn Eigentümer ihre Mietshäuser leerstehen lassen. Und wenn die Stadt der Meinung ist: Nein, diese Zweckentfremdungsverbotssatzung ist doch nicht der richtige Weg, aus irgendwelchen juristischen oder verwaltungstechnischen Gründen, dann möge die Stadt eben einen anderen Weg gehen. Hauptsache, die Stadt tut etwas, und deshalb fordern wir: - Die Stadt möge einen Plan entwickeln, wie sie diese unhaltbaren Zustände beenden kann. - Die Stadt möge uns Bürgerinnen und Bürgern diesen Plan mitteilen. - Und die Stadt möge uns kontinuierlich auf dem Laufenden halten, was aus diesem Plan geworden ist. Und wenn sich herausstellen sollte, dass die Stadt mit den herrschenden Gesetzen den Eigentümern tatsächlich nicht verbieten kann, ihre Mietshäuser zu ekelhaften, gesundheitsgefährdenden Drecklöchern verkommen zu lassen, dann müssen diese Gesetze geändert werden. Und dafür müsste die Stadt entsprechende Forderungen an den Gesetzgeber stellen. Wie gut, dass mit Zoe Mayer und Parsa Marvi gleich zwei Menschen aus Karlsruhe im Deutschen Bundestag unsere Interessen vertreten. Sie sollten im Bundestag über diese Zustände berichten und geeignete Gesetzesänderungen auf den Weg bringen. Denn: Aus den Fenstern dieser Häuser sollen keine Tauben gucken, sondern Mütter, Väter und ihre Kinder. Vielen Dank.